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Best Practices – Scrum-Board

Diese Anleitung beschreibt, wie ein Scrum-Board erstellt und gepflegt wird, sodass es Transparenz, Effizienz und Nachvollziehbarkeit für das ganze Scrum-Team sicherstellt.
Nach Befolgung dieser Anleitung kann jede Person – auch ohne Vorerfahrung – ein vollständiges Scrum-Board nach Best Practices aufbauen.

1. Vorbereitung

Bevor das Board erstellt wird, sollten folgende Punkte geklärt sein:

  • Teamstruktur:
  • Wer gehört zum Scrum-Team?
  • Wer ist Product Owner, Scrum Master, wer sind die Developers?
  • Toolwahl:
  • In welchem System wird das Board geführt? (z. B. Jira, Azure DevOps, Trello, Miro)
  • Sprintdauer:
  • Wie lange dauert ein Sprint (z. B. 2 Wochen)?
  • Definition of Done (DoD):
  • Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit eine Aufgabe als „fertig“ gilt?

Tipp: Dokumentiere die Definition of Done sichtbar auf dem Board (z. B. als oberste Karte in der „Done“-Spalte).


2. Rollenbeschreibung (kurzer Überblick)

Rolle Hauptfokus Typische Aufgaben Anzahl pro Team
Product Owner Produktwert & Priorisierung Backlog-Pflege, Stakeholder-Management, Zieldefinition 1
Scrum Master Prozess & Teamunterstützung Coaching, Moderation, Hindernisse beseitigen 1
Developers Umsetzung & Qualität Entwicklung, Test, Design, Lieferung 3–9 Personen

2.1 Product Owner (PO)

  • Verantwortlich für den fachlichen und geschäftlichen Erfolg des Produkts
  • Pflegt und priorisiert das Product Backlog
  • Sorgt für maximale Wertschöpfung

Typische Hintergründe: Produktmanager:in, Fachexpert:in, Vertreter:in der Nutzerseite.

Es gibt genau einen Product Owner pro Scrum-Team, damit Prioritäten klar sind.

2.2 Scrum Master (SM)

  • Coach, Moderator und Prozesshüter
  • Unterstützt das Team bei der Anwendung von Scrum
  • Beseitigt Hindernisse (Impediments)
  • Moderiert Meetings (Daily, Retro, Planning etc.)
  • Schützt das Team vor Überlastung & unklaren Anforderungen

2.3 Developers (Entwicklungsteam)

  • Umsetzen der Produktanforderungen in funktionierende Inkremente
  • Selbstorganisation: Das Team plant, wie die Arbeit erledigt wird
  • Einhalten der Definition of Done
  • Zusammenarbeit ohne Silos, gemeinsames Ownership

Typische Skills: Entwicklung, Test, UX/UI, Datenbank, Infrastruktur, Dokumentation etc.


3. Aufbau des Scrum-Boards

Ein Scrum-Board zeigt den Arbeitsfluss im Sprint:
Von ungeplant → geplant → in Arbeit → geprüft → fertig.

Typische Spalten:

Spalte Beschreibung Regeln / Hinweise
Backlog Noch nicht priorisierte/geplante Stories & Aufgaben Wird vom PO gepflegt. Keine völlig unklaren Notizen.
To Do / Selected Für den aktuellen Sprint geplante, startklare Aufgaben Nur was Definition of Ready erfüllt.
In Progress Aufgaben, an denen aktuell gearbeitet wird WIP-Limit beachten (max. X Tasks gleichzeitig).
Review / Code Review Aufgaben in technischer/fachlicher Prüfung Review durch zweite Person.
Testing / QA Aufgaben im Test Tests dokumentiert/bestätigt.
Done Aufgaben, die die Definition of Done erfüllen Sprint-Inkrement ist lieferfähig.

Tipp: Statusfarben im Tool nutzen (z. B. Grau = Backlog, Blau = To Do, Gelb = In Progress, Grün = Done).


4. Grundprinzip beim Aufbau

Merksatz:

Ein gutes Board zeigt jederzeit klar:
Was gerade gemacht wird, woran als Nächstes gearbeitet wird und was fertig ist.

4.1 Backlog

  • Alle Ideen, Anforderungen und zukünftigen Aufgaben
  • Noch nicht im aktuellen Sprint geplant oder priorisiert
  • Verantwortlich: Product Owner
  • Nur sinnvoll formulierte Themen, keine losen Stichworte

Beispiel-Story:
„Als Benutzer möchte ich mein Passwort ändern können, damit ich mein Konto sicher verwalten kann.“

4.2 To Do / Selected for Sprint

  • Aufgaben, die im Sprint geplant und bereit zur Umsetzung sind
  • Erfüllen die Definition of Ready (klar, verstanden, geschätzt)
  • Werden im Sprint Planning vom Team ausgewählt

4.3 In Progress

  • Aufgaben, an denen aktiv gearbeitet wird
  • WIP-Limit anwenden (z. B. max. 4 Aufgaben gleichzeitig)
  • Ziel: weniger anfangen, mehr fertigstellen

4.4 Review / Code Review

  • Aufgabe ist technisch fertig entwickelt
  • Wird von zweiter Person geprüft (z. B. Code-Qualität, Architektur, Sicherheit)
  • Wichtig für Qualitätssicherung und Wissensaustausch

4.5 Testing / QA

  • Aufgabe wird fachlich/technisch getestet
  • Tests durch Entwickler, Tester oder automatisiert
  • Wenn kein separates Testing-Team existiert, übernimmt das Dev-Team Review & Test

4.6 Done

  • Alle Punkte der Definition of Done erfüllt
  • Fertig, auslieferbar, keine offenen To-dos

Beispiel-DoD:

  • Akzeptanzkriterien erfüllt
  • Code reviewed
  • Tests bestanden
  • Dokumentation aktualisiert
  • PO hat Abnahme erteilt
  • Keine offenen Fehler mehr

5. Zusatzelemente für ein gutes Board

Element Erklärung Nutzen
Swimlanes Horizontale Zeilen (z. B. pro Epic) Mehr Struktur & Übersicht
Labels/Tags Schlagwörter/Kategorien Filtern & Gruppieren
Farben Visuelle Unterscheidung von Kartentypen Schnellere Orientierung
WIP-Limits Begrenzung paralleler Aufgaben Fokus & Fluss (Flow)

5.1 Swimlanes

  • Strukturieren das Board z. B. nach:
  • Teammitglied
  • Projekt/Epic
  • Bug vs. Feature
  • Vorteil: Auf einen Blick sichtbar, wer oder was woran arbeitet.

5.2 Labels / Tags

  • Schlagworte wie #frontend, #urgent, #kundeA
  • Erleichtern Filter, Reports und thematische Auswertungen.

5.3 Farben

  • Beispiele:
  • Grün = Done
  • Blau = Story
  • Orange = Task
  • Rot = Bug
  • Lila = Spike

5.4 WIP-Limits

  • Begrenzen die Anzahl paralleler Aufgaben je Spalte
  • Verhindern Überlastung
  • Fördern Teamarbeit & Fokus auf Fertigstellen

6. Kartenkategorien & Vorlagen

Aufgabentypen auf dem Board:

Kategorie Zweck Typisches Ziel Wann verwenden?
User Story Anforderung aus Nutzersicht Wert schaffen Wenn neue Funktion/Nutzen geliefert werden soll
Task Konkrete Arbeitseinheit Umsetzung organisieren Wenn klar ist, was genau getan werden muss
Bug Fehler / Defekt Qualität sichern Wenn etwas nicht wie erwartet funktioniert
Feature/Epic Größerer Funktionsblock Struktur schaffen Wenn Thema zu groß für einzelne Story ist
Spike Forschungs-/Klärungsaufgabe Wissen gewinnen Wenn erst verstanden werden muss, was zu tun ist

User Story – Vorlage:

Als [Rolle] möchte ich [Ziel], damit ich [Nutzen] habe.
Akzeptanzkriterien: …

Task – Vorlage:

  • Ziel: …
  • Schritte: …
  • Ergebnis: …

Bug – Vorlage:

  • Beschreibung: …
  • Schritte zur Reproduktion: …
  • Erwartetes Ergebnis: …

Feature / Epic – Vorlage:

  • Beschreibung: …
  • Ziele: …
  • Verknüpfte Stories: …

Spike – Vorlage:

  • Fragestellung / Problem: …
  • Vorgehensweise: …
  • Erwartetes Ergebnis (z. B. Entscheidung, Architekturvorschlag): …
  • Timebox: … (z. B. 1–2 Tage)

7. Pflege & Nutzung des Boards

7.1 Tägliche Nutzung (Daily Scrum)

Leitfragen:

  • Was habe ich gestern gemacht?
  • Was mache ich heute?
  • Was hindert mich?

Das Board ist zentrales Hilfsmittel. Karten werden live verschoben.

7.2 Wöchentliche Pflege

  • Product Owner aktualisiert das Backlog
  • Team überprüft WIP-Limits & Aufgabenstatus
  • Veraltete oder unklare Tickets werden bereinigt

7.3 Nach jedem Sprint

  • „Done“-Tasks archivieren oder dokumentieren
  • Lessons Learned in der Retrospektive festhalten
  • Definition of Done bei Bedarf anpassen

7.4 Transparenz & Übersicht

  • Filter & Swimlanes für Epics, Owner, Priorität nutzen
  • WIP-Limits respektieren
  • Farbcodes konsistent verwenden
  • Alle Teammitglieder haben Lese- und Schreibrechte

8. Zusammenfassung

Ein gutes Scrum-Board ist:

  • Transparent – Jeder sieht den aktuellen Stand.
  • Aktuell – Keine veralteten Aufgaben.
  • Einheitlich – Klare Spalten, Kategorien und Vorlagen.
  • Nützlich – Unterstützt Daily, Planning und Retrospektive gleichermaßen.